Bilder
Außenansicht
Traditionszug 3662
Innenansicht
Tom Hanks im Triebwagen
Bridge of Spies. Foto: DreamWorks Pictures

Beschreibung

Als am 8. August 1924 der elektrische Betrieb auf der Vortortstrecke Bernau und im Folgejahr nach Oranienburg begann, suchte die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (DRG) nach einem geeigneten Fahrzeugtyp für die geplante „Große Elektrisierung der Stadt-, Ring- und Vorortbahnen". Die Versuchszüge und die Bauart Bernau erwiesen sich schnell als wenig geeignet. Erst die Bauart Oranienburg brachte den Durchbruch: gleichlange Trieb- und Beiwagen, alle Achsen des Triebwagens waren angetrieben. Aus den vierzehn Herstellerfirmen wählte die DRG sechs aus, welche als Lieferkartell die Großserie fertigen sollte, die eine Weiterentwicklung der Bauart Oranienburg darstellte: leichtere Wagenkästen, bessere elektrische Ausrüstung. Der Probezug traf 1927 in Berlin ein, im selben Jahr begann die Serienfertigung. Bis 1931 wurden insgesamt 1276 Wagen geliefert. Bis heute ein Rekord! Die Wagen kamen von den Firmen in das neu errichtete Reichsbahnausbesserungswerk Berlin-Schöneweide und wurden dort von den Elektrofirmen AEG und Siemens (als Lieferantenkartell unter dem Namen Wasseg zusammengeschlossen) sowie Bergmann Electricitäts-Werke (BEW) und Maffei-Schwarzkopf-Werke (MSW), ebenfalls eine Liefergemeinschaft, ausgerüstet.

Die Fahrzeuge der Serienlieferung bestanden – wie schon der Probezug – anfangs aus Trieb- und Steuerwagen (461 Viertelzüge). Wegen des sich abzeichnenden großen Erfolges des neuen, seit 1930 so bezeichneten Verkehrsmittels S-Bahn, änderte die Reichsbahn die Bestellung in Bei- statt Steuerwagen (173 Viertelzüge), weil es kaum notwendig war, die Züge als kleinste betriebliche Einheit, dem Viertelzug, fahren zu lassen. Die Steuerwagen wurden ab 1942 durch Entnahme der Führerstandsausrüstungen zu Beiwagen umgebaut; später entfiel der Führerstandsraum zugunsten von Sitzplätzen, und statt der Fenster wurden Bleche eingebaut.

Mit den neuen Fahrzeugen begann am 6. Juni 1928 der elektrische Betrieb auf der Strecke Potsdam—Erkner, der ersten im Rahmen der Großen Elektrisierung. In den folgenden Jahrzehnten bildeten diese Fahrzeuge das Rückgrat der Berliner S-Bahn und wurden mehrfach modernisiert. So fuhren die Stadtbahner in Form der Baureihe 476/876 noch bis ins Jahr 2000 durch Berlin und das Umland. Diese Einsatzzeit von über 70 Jahren ist absolut untypisch für ein Schienenfahrzeug und war auch der besonderen politischen Situation in und um Berlin geschuldet.

Der Viertelzug 3662/6121 (vormals 275 815/816) wurde Ende der 80er Jahre von der Reichsbahn als Ergänzung für den ersten Museumzug der Bauart Stadtbahn (Wagen 2303/5447) zum Museumszug umgebaut und im April 1990 so in Dienst gestellt. Dabei wurde er äußerlich ebenfalls in seinen Auslieferungszustand versetzt. Zum Rückbau der Inneneinrichtung auf die Zeit der frühen 30er Jahre kam es nicht mehr. So die eine Hälfte des Beiwagens 6121 zwar äußerlich als 2. Klasse Raucher hergerichtet (blaue Lackierung im Fensterbereich und entsprechende Schilder neben den Türen), der Innenraum ist es mit den Holzbänken aus der Nachkriegszeit und dem Eichenfurnier der Wände statt dem passenden aus Mahagoni jedoch nicht.

Nach dem Fristablauf im Jahr 2006 wurde der Viertelzug abgestellt. Da er in einem technisch sehr guten Zustand ist, hängt ein Wiedereinsatz vor allem von den finanziellen Mitteln für die fällige Hauptuntersuchung ab.

Der Viertelzug kam zu besonderen Ehren als am 7. November 2014 eine Filmcrew von Star-Regisseur Steven Spielberg in Erkner anrückte, um Szenen des Films "Bridge of Spies" zu drehen. In der Hauptrolle war Tom Hanks am Set und fuhr auch ein paar Meter mit dem Zug. Seit diesem Tag hat der Viertelzug den Spitznamen "Hanks-Viertel".
 

Technische Daten
Bauart Stadtbahn
Baujahr 1929
Einsatzzeit 1929 – 1987, danach Museumszug
Antriebsleistung 360 kW (4 x GBM 700)
Höchstgeschwindigkeit 80 km/h
Wagenlänge (über Kupplung) 35.460 mm (Viertelzug)
Sitzplätze 125
Zustand äußerlich zwischen 1930 und 1935; Inneneinrichtung im ungefähren Zustand
der 50er und 60er Jahre; funktionsfähig/fahrfähig

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